Donnerstag, 1. Oktober 2020, 19:00 Uhr

Die Philologen und Armenisten Tessa Hofmann und Gerayer Koutcharian, ein erfahrenes Team bei armenisch-deutschen Literaturübersetzungen, haben mit der Anthologie den ermordeten armenischen Autoren ein beeindruckendes Denkmal errichtet.

Mit wenigen Ausnahmen fielen die in der Anthologie versammelten Autoren unmittelbar dem Elitizid zum Opfer, mit dem die nationalistischen Regime des „Komitees für Einheit und Fortschritt“ („Jungtürken“) sowie Mustafa Kemals seit 1915 die geistige und geistliche Elite der Armenier im Osmanischen Reich gezielt vernichteten.

Der auch als Dichter hochbegabte Komitas ist durch das Erlebnis des Völkermords dauerhaft traumatisiert worden – unfähig, sein Schaffen fortzusetzen. Sapel Jessajan verlor ihr Leben als stalinistisch Verfolgte. 

Angesichts der fassungslosen Verbrechen, von den Autoren wiederholt selbst erlebt, greifen sie neben den Themen des Todes und der Vergänglichkeit auch die von Vergeltung, Rache und Kampf auf. Ebenso spielt ihre Sehnsucht nach einem freien, selbstbestimmten Leben eine große Rolle.

Es hält die Erinnerung daran wach, dass Schreiben überall dort, wo das freie Wort unterdrückt wird, gefährlich, aber auch ein Mittel des Widerstandes ist. Neben der literarischen Qualität überzeugen die Zeichnungen von Choren Hakobjan.

IZG Themenabend zu NEUKÖLLN - ARMENISCH "Todesvision": Eine Hommage an die ermordeten Dichter Armeniens (1915-1945)
Mitwirkende
Dr. Tessa Hofmann, Sachbuchautorin, Menschenrechtlerin und Armenienkennerin; Dr. Gerayer Koutcharian, Armenist, Übersetzer
Ort Interkulturelles Zentrum Genezareth, Herrfurthplatz 14, 12049 Berlin
Preis
Eintritt frei, Spende erbeten