Veröffentlicht am Sa., 27. Jun. 2020 09:13 Uhr

Geistliches Wort zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Vom Suchen und Finden

Fast ein jeder kennt es, man will aufbrechen macht sich fertig, hat schon die Schuhe an und meint, man liegt sehr gut in der Zeit. Die letzten Dinge werden zusammengepackt und dann, dann passiert es.  Man sucht vergeblich nach dem Haustürschlüssel oder nach dem Autoschlüssel, ein anderer vielleicht nach dem Portemonnaie oder der Brille, ohne die es nicht geht, ein mancher nach dem Terminkalender. Das, wonach man sucht, ist einfach nicht aufzufinden. Zuerst überwiegen Ruhe und Gelassenheit:  Irgendwo wird er schon sein, der Schlüssel. Die verdächtigen Orte werden abgeklappert. Dann tritt langsam das Stadium ein, in dem einem heiß wird, alles 200-mal durchsucht wird, der Partner oder die Partnerin verrückt gemacht wird. Schließlich mündet die Suche in der panischen Aufgelöstheit.  Man ist sich sicher, der Schlüssel ist weg. Die Hoffnung schwindet, den Schlüssel jemals wiederzusehen. Weitere böse Folgen stehen an: Der Blick auf die Uhr verheißt nichts Gutes.

So passiert es mit kleinen Dingen, die gesucht werden. Aber auch große Dinge gehen verloren. Manchmal passiert der Verlust schleichend. Freundschaften, die im Sande verlaufen, Ehepartner, die auf einmal nicht mehr die gleiche Sprache sprechen, das Kind, zu dem man den Zugang nicht mehr finden kann, die Eltern, die beginnen komisch zu werden, der Glaube in Gott, der ins Wanken gerät, wenn das Leben mal nicht so mitspielt. Wenn dann das wiedergefunden wird, was verzweifelt oder auch gelassen gesucht wurde, gibt es nichts Schöneres.

Eine Analogie zu dem Obigen können wir zu der Bibelgeschichte von Jesus und dem Zöllner Zachäus ziehen:  

Als Jesus gemäß des Lukasevangeliums nach Jericho kommt, das Reich Gottes zu verkünden, erwartet ihn eine Menschenmenge. Alle wollen ihn hören. Zachäus, der sehr klein ist, klettert auf einen Maulbeerbaum, um Jesus sehen zu können. Jesus sieht ihn, möchte bei Zachäus einkehren. Die Menschen wundern sich und reagieren verschnupft. Warum will Jesus das Wort Gottes einem Sünder verkünden? „Dort findet er doch nicht offene Ohren“, tuscheln sie. Doch es kommt anders: Zachäus nimmt mit Freuden auf, was Jesus ihm über das weite Reich Gottes erzählt und wird einer der Seinen. Jesus selbst erzählt ihm und allen Anwesenden von seiner Suche nach denen, die Gott verloren hat. Er fasst dies mit folgenden Worten zusammen: „Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lk 19,10)

Wie wir an der Geschichte sehen können, sucht Gott unermüdlich nach uns. Dabei kommen bei ihm keine Zweifel auf. Zachäus kommt Jesus in seinem Suchen sogar entgegen, indem er sich in der Bibelgeschichte seinen Weg zu ihm sucht- er setzt sich während seiner Predigt auf einem nahegelegenen Baum, um ihn besser sehen und hören zu können, ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
Daraus können wir schlussfolgern, dass wir ebenso wie Gott in Jesus Christus und auch Zachäus, der nach Jesus sucht, nicht aufgeben dürfen nach einander zu suchen. Mit der Beharrlichkeit, mit der wir sonst nach alltäglichen Dingen suchen, wie dem Schlüssel, ohne den der gewohnte Tagesablauf nicht fortzuführen ist, sollten wir nach einem Zugang zu unseren Mitmenschen suchen, die unserer Gemeinschaft oder den christlichen Wertvorstellungen verloren gegangen sind und teilweise nicht wieder alleine zurückfinden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sonntag.

Ihre Frauke Fischer

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