Veröffentlicht von Miriam Höppner am Sa., 6. Jun. 2020 09:35 Uhr

Geistliches Wort Trinitatis | Vertraut den neuen Wegen  

Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind in der Christenlehre das Kirchenjahr kennenlernte. Ein immer wiederkehrender Rhythmus, der uns die Zeit strukturiert und uns damit so wunderbar das Leben erleichtert, freudige Feste, besinnliche und traurige. Jedes Fest bekommt seine Bedeutung und seine Geschichten, und dann kommt Trinitatis. Und nach Trinitatis kommt nach all diesen bedeutungsvollen Festen und Geschichten einfach eine Aufzählung: 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Sonntag nach Trinitatis, 3. Sonntag nach Trinitatis, und so weiter. Und dann ist es Sommer und damit die schönste Zeit des Jahres. Also dachte mein kindlicher Verstand: Dieser Trinitatis, der muss wirklich wichtig gewesen sein, wenn er so viele Sonntage abbekommen hat. Manche kindlichen Weisheiten sollte man nicht vergessen.

Nach all den Festen, die wir in unserem Jahr feiern, beginnt mit Trinitatis nach Pfingsten doch meist eine ruhige Zeit, eine Zeit des Aufatmens. Vom Atem und Aufatmen und dem Heiligen Geist, davon handelt unser Pfingstfest und nach Pfingsten erwartet uns in der Regel ein freudiges ruhiges hinübergleiten ins Sommerloch. Doch dieses Jahr ist so einiges anders, viele Feste konnten wir nun schon nicht in gewohnter Form und vor allem nicht gemeinsam feiern. Und auch das gemeinsame Aufatmen fällt uns schwer, wenn wir dabei einen Mundschutz tragen sollen, wenn wir nicht wissen, was uns denn nun in dieser „neuen Normalität“ erwartet, wenn wir versuchen zu planen und immer wieder daran scheitern, weil einfach nicht klar ist, was planbar ist, was nicht. Das ist kein Aufatmen, wie wir es uns wünschen.

Unser Lebensrythmus wurde durcheinandergeworfen in diesem Jahr, Gewohnheiten sind gebrochen, geliebte und ungeliebte, Routinen des Alltags, die uns halt geben und durchhalten lassen, sind weg und wir müssen neue Orientierung finden. Unser Kirchenjahr bleibt trotz allem und gerade in solchen Zeiten eine gute Orientierung. Wir haben die Feste alle gefeiert, nur anders. Und auch jetzt wissen wir was kommt. Denn Trinitatis ist in der Tat ein sehr wichtiges Fest: Mit Trinitatis feiern wir die Dreieinigkeit Gottes. Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. In der Dreieinigkeit finden wir Geborgenheit, Schutz und Hoffnung. Und es kommt eine lange und ruhige Zeit des Aufatmens, Luftholens. Nun haben wir Zeit uns neu zu sortieren und neu zu beginnen.

Denn nach alldem, was wir gemeinsam erfahren haben, können und müssen wir nun neu anfangen. Trinitatis, das Fest, das die Dreieinigkeit, das Zusammenkommen symbolisiert, passt wunderbar für diese Zeit. Wir können mit Stärke und Segen in diese Wochen gehen, die da kommen. Wir können Vertrauen auf den Rhythmus, den Gott uns gegeben hat. Mit Vertrauen und Mut können wir die nächsten Schritte gehen. Lassen sie sich anstecken von der Zuversicht unserer Lieder:

Vertraut den neuen Wegen

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.  

Bleiben sie behütet und Hoffnungsfroh!  

Ihre Miriam Höppner

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