Veröffentlicht am Sa., 18. Apr. 2020 18:37 Uhr

„Hoffnung tut der Seele gut!“ so steht es an der Eingangstür der Genezarethkirche und vielen anderen Kirchen unserer Stadt seit Ostern auf großen Transparenten zu lesen.

Hoffnung ist wohl auch das, was wir mit einem der für uns wichtigsten Feste, dem Osterfest, verbinden: Der Tod siegt nicht über das Leben!

Nun haben wir das Osterfest in diesen Tagen so ganz anders feiern müssen als geplant, gewollt und gewünscht. Keine Tischabendmahlfeier am Gründonnerstagabend, kein Abendmahlsgottesdienst mit Kantorei am Karfreitag, kein „Musik und Text“ zur Sterbestunde Jesu, keine Osternächte mit Osterfeuer und Frühstück und keine Familiengottesdienste mit Ostereisuchen.

Und dennoch, die Passions- und Osterzeit 2020 habe ich sehr intensiv erlebt. Zahlreiche Kontakte via Telefon und weiterer digitaler Wege haben uns über unsere Wohn-Orte hinweg in Verbindung gehalten und uns ins Gespräch gebracht, teils mit großer Tiefe und wohltuender Ernsthaftigkeit. Die verschiedenen Fernsehformate mit ökumenischen Gottesdiensten in besonders ausgewählten Berliner Kirchen haben verkündigend Hoffnung und Mut gespendet und die froh machende Evangeliumsbotschaft in unsere Wohnungen gebracht.

Ebenso kam die Kirchenmusik nicht zu kurz: Haben auch Sie die Übertragung von Bachs Johannespassion aus der leeren Thomaskirche zu Leipzig gesehen? Nur wenige Solisten spielten und sangen in moderner Interpretation das Bachsche Werk, mehrere Chöre aus aller Welt - in wahrstem Sinne eine internationale Bachfamilie! - waren an den entsprechenden Chorpartien digital zugeschaltet: Eine Verbindung von realer Präsenz und digitaler Welt, die das Passionsgeschehen in die heutige Zeit hinein eindrücklich vergegenwärtigt.

Viel Neues also in unserem Zusammenleben, aufregend durch digitales Ausprobieren, gleichzeitig spüren wir jedoch: Das kann es nicht gewesen sein! Uns fehlt die persönliche Begegnung mit unseren Mitmenschen, unseren Mitchristen aus der Gemeinde, wir sehnen uns nach Rückkehr zum Leben ohne Kontaktbegrenzungen. Ich sehne mich danach, meinem Gegenüber „real“ in die Augen zu sehen, ich möchte „live“ erleben können, wie er sich freut oder trauert, möchte unmittelbar mit ihm gemeinsam beten, singen und feiern.  

Das alles wird wieder möglich sein - nach einer Strecke des Aushaltens. „Hoffnung tut der Seele gut!“ Die Osterbotschaft ruft uns zu: Der Tod siegt nicht über das Leben! Haltet aus - es kommt eine neue Zeit, schon jetzt in Eurem Leben! Abschied und Aufbruch, Vergangenes und Zukünftiges geschehen auch in dieser Zeit. Die heutigen Erfahrungen werden in neues (Miteinander)Leben münden - auch hier bei uns in Neukölln.

 

Herzlich grüße ich Sie!

Ihre Pfrn. Christine Radziwill

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