Veröffentlicht am Mo., 30. Mär. 2020 10:49 Uhr

27. März 2020

Guter Rat ist teuer. Die Situation wegen der Corona Pandemie hat sich in den letzten Tagen nicht nur in Berlin dramatisch schnell entwickelt und zugespitzt. Es hat von staatlicher Seite bisher noch nicht dagewesene Eingriffe in unser persönliches und gesellschaftliches Leben gegeben. Dass Menschen nicht mehr in Gottesdiensten zum Singen, Beten und auf Gottes Wort hören zusammenkommen. Das hatten wir noch nicht.

Das Coronavirus hat uns irgendwie doch auf dem falschen Fuß erwischt. Unser Vorstellungsvermögen und unsere Lebenserfahrung helfen nicht weiter. So etwas hat es einfach noch nicht gegeben. Für viele ist die Situation nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich bedrohlich. Gäste bleiben aus, Veranstaltungen werden abgesagt, Schließungen sind verfügt oder drohen. Gesundheit ist wichtig, aber was bedeutet das für unser Unternehmen, auch für die Arbeitsplätze? Guter Rat ist gefragt!

Als sich abzeichnete, dass diese Krise größer ist, als alles bisher bekannte, stand im Lehrtext der Herrnhuter Losungen ein Orientierung gebender Satz. Paulus schreibt an seinen Mitarbeiter Timotheus, der in einer unübersichtlicher Situation Verantwortung übernehmen soll. Ratschläge wie „Keine Bange!“ „Wird schon werden!“, „Pass auf!“ oder „Kopf hoch“ bringen wenig. Der Satz „Alles gut“, der nie wahr ist, bleibt jetzt erst recht im Munde stecken. Hilfreich ist eine andere Perspektive.

Paulus erinnert in dieser Situation an etwas, das Gott tut:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Es geht um eine Ressourcenerweiterung. Um Gottes Gaben, die jedem und jeder zur Verfügung stehen.

Als erstes: Kein Grund zur Panik. Hier wird Gottvertrauen praktisch. Das mehr ist als „in der Not anfangen zu beten“. Was tut Gott? Er begabt.

In schwierigen Situationen zeigt sich, wie Gottes tröstender Geist beflügeln und zu kreativen Problemlösungen helfen kann. Gott gibt uns den Geist „der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!“

Kraft ist das zweite, was wir brauchen. Das Problem ist da und wir können widerstehen! Nicht Lähmung, nicht Resignation, nicht Angstmache oder Verzweiflung bestimmen uns, sondern die Kraft hinzusehen und anzupacken, wo es nötig und sinnvoll ist. Gemeindeglieder rufen sich gegenseitig an und fragen danach, wo Hilfe möglich ist. Den Obdachlosen haben wir mit Essen geholfen und werden es weiter tun. Täglich läuten Morgens Mittags und Abends die Kirchernglocken und rufen zum Gebet. Jeden Sonntagvormittag erinnern wir mit dem Läuten der Glocken zu Gottesdienstzeiten, dass Gott uns nicht verlassen hat. 

Liebe. Brauchen wir jetzt wirklich Liebe? Ja, Gottes Geist hilft uns, aufzublicken und andere und anderes wahr zu nehmen. Dadurch brechen wir aus der Gefangenschaft des Blickes nur auf uns selbst aus. Das tut gut. Liebe hilft, das Notwenige zu tun und das jetzt Überflüssige zu lassen. Liebe ist das umfassendere Wort für Solidarität, auf das auch viele Politiker in den letzten Tagen zu Recht hingewiesen haben. Liebe ist tatkräftig. Das wird gebraucht. Aber bitte keine Action um jeden Preis.

Deshalb gibt Gottes Geist gibt auch Besonnenheit. Weder Hektik noch Furcht noch Leichtsinn helfen uns, diese schwierige Situation zu bewältigen. Zuhören können, nicht Überreagieren, aber Handeln mit Augenmaß. Nicht die Energie mit Schuldvorwürfen, Selbstinszenierungen oder „Hätte, könnte, müsste, sollte“- Träumen verbringen. Bereit sein zur Flexibilität. Gemeinsam Lösungen suchen. Dazu benötigt man manchmal auch etwas Abstand zu sich selbst. Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun.    Jetzt erst recht!  

Ihr

Pfarrer von Campenhausen                  

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